Menschenrettung trifft Tierrettung

 

Oder: Wie die Schwalbe zur BRK-Rettungszentrale kam...

 

Erst jüngst standen Rettungsfahrzeug der "Menschenrettung" und Tierrettungsfahrzeug gegen zwei Uhr morgens friedlich nebeneinander vor einem kleinen Reihenhaus in Bamberg. Anlass war aber keine Tierrettung, sondern meine Mutter hatte sowohl mich als auch die integrierte Rettungsleitstelle hilfesuchend angerufen, weil mein alter, kranker Herr Vater nachts aus seinem Bett gestürzt war. Zum Glück hatte er sich keine ernsthaften Verletzungen zugezogen, er wurde aber anderntags dennoch zu regulärer Uhrzeit ins Krankenhaus gebracht, da es ihm weiterhin schlecht ging.

So rauben uns nicht nur die kleinen Babywildtiere mit ihren nächtlichen Fütterungsrunden den Schlaf, sondern auch in die Jahre gekommene Eltern brauchen Hilfe, im Notfall auch mal rund um die Uhr.

Viel physische und auch psychische Belastung, doch wir von der Wildtierhilfe lassen nicht locker und geben nicht nach. Unser eiserner Wille zum Durchhalten ist in unserem Bekanntenkreis hinlänglich bekannt und berühmt.

Nur wenige Tage nach dieser Begegnung der beiden Bamberger Rettungsdienste suchte ich mit dem Tierrettungsfahrzeug die BRK-Rettungszentrale des Kreisverbands Bamberg im Paradiesweg 1 (Nähe Klinikum Bug) auf.

Anlass war der Anruf eines besorgten Vogelfinders. Er hatte irgendwo in Bug ein abgestürztes Vögelchen gefunden, für das er nun auf der Suche nach Rettern war. Weder war Monis Mann verfügbar noch stand unser ehrenamtlicher Fahrer zur Verfügung. Also setzte ich mich kurzerhand selbst hinter das Steuer und düste in Richtung Kaulberg los. Als Treffpunkt hatten wir die Rettungszentrale vereinbart, da ich mich im Stadtteil Bug nicht auskenne.

Leider haben wir immer noch kein Navigationsgerät (es fehlen uns permanent die Mittel für die Anschaffung, weil mein gesamtes Erwerbseinkommen für die Tiere drauf geht), so dass ich um ein Haar am Paradiesweg 1 vorbei gefahren wäre. Doch der Finder machte sich durch Winken bemerkbar, was eine weitere Suche unnötig werden ließ.

Er und seine Frau konnten mir kurz darauf ein Kistchen mit einem jungen Mehlschwälbchen zeigen. Das Tier hatte eventuell schon einige Zeit am Boden gelegen. Sicher war es sehr unsanft gelandet, denn Schwalben brüten nicht in  Bodennähe. Es war auch in keinem guten Ernährungszustand, sondern ziemlich mager, wie ich am spitzen Brustbein gleich ertasten konnte. Es blickte mich aber recht munter an.

 

Unser Tierrettungsfahrzeug stand in der Zwischenzeit vor dem Gelände der Rettungszentrale, als ob es dort zuhause wäre.

Die Finder waren über die prompte Hilfe erfreut und erkundigten sich nach unserer Organisation. Ich erklärte, dass wir ein paar Privatleute sind, die kleinen Wildtieren in Not helfen. Sie erklärten sich bereit, uns eine Spende zukommen zu lassen. Ich empfahl ihnen unsere Homepage und machte mich danach umgehend auf den Weg zu unserer Schwalbenmama Moni, welche den kleinen Pechvogel gleich unter ihre Fittiche nahm.   :-)

Das Schwälbchen hat bei Moni neue Geschwisterchen gefunden und wird nach Erreichen der Selbstständigkeit und der eigenständigen Futtersuche zusammen mit seinen Artgenossen bei einem Reitstall ausgewildert. Dort leben zahlreiche andere Mehlschwalben, von denen Monis Handaufzuchten dann lernen können, was Moni ihnen nicht vermitteln konnte. Wo Pferde leben, gibt es immer eine Vielzahl leckerer Fliegen. Die Reitstall-Besucher und Pferdeeigentümer haben versprochen, ein Auge auf die Schwälbchen zu haben und im Krankheitsfall die Tiere wieder zu Moni zur Gesundpflege zu bringen. Bislang kam keine der frei gelassenen Schwalben zu Moni zurück, was sie stets als gutes Zeichen wertet.

Wir danken dem Finder-Ehepaar jedenfalls, dass es das Schwälbchen gleich selbst aufgenommen und sicher aufbewahrt hat, bis ich vor Ort sein konnte. So verhalten sich Finder richtig!

Übrigens: Gerade für Schwalben und Mauersegler ist es sehr wichtig, dass eine schnellstmögliche Abgabe beim Fachmann bzw. bei der Fachfrau erfolgt, was eine Fehlernährung durch Falschfütterung verhindert. Erst am 22.07.2014 musste unser Fahrer einen Mauersegler aus Ebensfeld im Landkreis Lichtenfels abholen, den eine wohlmeinende Finderin für eine Amsel gehalten und falsch gefüttert hatte, was beim Segler zu schweren Gefiederschäden führen kann. Irreparable Gefiederschäden bedeuten für das Tier den Tod.

Mauersegler sind reine Insektenfresser. Als Notversorgung sind Stubenfliegen geeignet. Für längerfristige Ernährung (Mauersegler sperren nicht, man muss ihnen das Futter in der Regel zwangsweise eingeben) sind Heimchen aus der Zoohandlung geeignet, die eingefroren und vor dem Verfüttern aufgetaut werden. Die widerhakenbesetzten Hinterbeinchen der Heimchen sind vor der Verfütterung zu entfernen, damit sie nicht im Schlund stecken bleiben. Bitte niemals Regenwürmer verfüttern! Sie können von den Seglern und Schwalben nicht verdaut werden, was in der Regel den Tod des Tieres zur Folge hat.

 

Drei Mauerseglerbabys, darunter der Findling Fridolin aus Ebensfeld

Deshalb bitte immer vernünftig sein und das Tier unverzüglich an eine Auffangstation oder Pflegestelle abgeben, die sich mit Wildvögeln auskennt, oder falls die Aufnahme aus Kapazitätsgrunden dort nicht möglich ist, das Tier dort zumindest vorstellen und sich die korrekte Ernährungsweise und Pflege erklären lassen - und auch weiterhin Ratschläge von dort einholen! Und ganz wichtig: Die Ratschläge der Fachleute auch beherzigen, und nicht zu meinen, man selbst wisse es ja viel besser als die Leute mit der langjährigen Pflegeerfahrung von Hunderten von Wildtieren!

Mit guter Beratung und genauer Befolgung der Ratschläge können auch interessierte, opferbereite Neulinge ihren Fundvogel gut ins Auswilderungsalter bringen. Vergessen Sie aber bitte nicht, sich bei den Fachleuten rechtzeitig nach dem richtigen Zeitpunkt für eine Freilassung zu informieren - und klären Sie auch rechtzeitig ab, ob Ihre Tierart eine Auswilderungsvoliere benötigt (Mausersegler und Schwalben werden direkt unter freiem Himmel in die Natur entlassen) und wo sie Ihren Vogel zur Auswilderung hin bringen dürfen! Bitte Schwalben oder Segler niemals einfach in die Luft werfen. Sie starten von der auf Brusthöhe ausgestreckten Hand (stellen Sie sich sicherheitshalber auf weichen Untergrund). Andere Vogelarten in Auswilderungsvolieren erhalten einfach die Tür geöffnet und dürfen eigenständig entscheiden, wann sie hinaus fliegen möchten. Sie werden ca. 14 Tage lang draußen nachgefüttert, um das Überleben in freier Wildbahn bis zum Erlernen der eigenständigen Nahrungssuche zu erleichtern.

Informationen zur Aufzucht mit vielen Bildern zum Vergleich finden Neulinge in der Vogelaufzucht auch unter

www.wildvogelhilfe.org

Spezielle Informationen zur Mauersegler-Pflege erhalten Sie unter

 

http://www.mauersegler.com/

 

 


Susanne Wicht