Mäuse, die gar keine Mäuse sind und ihr weiter Weg aus Baden-Württemberg nach Bamberg

 

Verwaiste Spitzmaus-Babys kuscheln in ihrem Babybettchen auf der Wärmflasche

 

Anfang Juli 2014 erreichte mich ein Anruf aus Baden-Württemberg. In einer Mauerspalte des Hauses hatte eine Familie Spitzmausbabys entdeckt. Diese waren zu dem Zeitpunkt bereits sehr ausgekühlt und schwach. Nachdem die Mutter der Familie Grundkenntnisse in der Tierversorgung hatte, wurden die Mäuse gleich auf eine Wärmflasche gebettet und notversorgt. Da die Finderin allerdings beruflich viel in Gastronomien zu tun hat, konnte sie die Spitzmausbabys, die sie ansonsten gerne selbst aufgezogen hätte, nicht behalten. Die Kleinen wären dort aus gesundheitsrechtlichen Gründen nicht erwünscht. Überall in ihrer Region telefonierte sie herum und suchte einen sachkundigen Abnehmer, doch sie wurde nicht fündig, oder aber sie erreichte niemanden. Schließlich stieß sie auf unsere Seite und rief an - und da ging auch tatsächlich jemand ans Telefon. Dieser jemand war ich.

Schnell war ausgemacht, dass die Spitzmäuse nach Bamberg umziehen dürfen. Angeliefert wurden sie abends in Forchheim, wo ich berufstätig bin.

Unsere Baden-Württembergische Tierfreundin scheute stolze 190 km einfache Wegstrecke nicht, um die verwaisten Findlinge zu jemandem zu bringen, der sie weiter aufziehen würde. Bis  zum Eintreffen in Forchheim hatte sie sie selbst weiter notversorgt. So stelle ich mir die idealen Tierfinder vor: Sich informieren, selbst handeln, Zeit und Kosten nicht scheuen. Das ist echte Tierliebe!

Von den 5 Spitzmausbabys waren zwei leider immer noch dehydriert und tranken schlecht. Trotz Behandlung und extrahäufiger Fütterung (sie hatten giftgrünen Durchfall) überlebte das Schwächste leider nicht, aber alle anderen gediehen gut und wuseln nun in ihrem Terrarium herum, um die ersten Mehlwürmer selbst zu jagen und zu verspeisen.  :-)

Spitzmäuse sind eigentlich keine Mäuse, denn sie gehören nicht zu den Nagetieren, sondern zur Familie der Insektenfresser. Sie sehen lediglich äußerlich den Mäusen auf den ersten Blick recht ähnlich. Der gravierendste Unterschied ist das Gebiss, welches dem von Maulwurf und Igel ähnelt. Markenzeichen sind auch die beweglichen langen Schnuppernasen und die winzigen Äuglein.

Wie uns die engagierte Finderin am darauffolgenden Abend telefonisch mitteilte, lag das Muttertier (Spitzmausweibchen mit ausgeprägtem Gesäuge) tot im Nachbarsgarten. Da diese vom Nachbarn bereits 48 Stunden zuvor tot dort liegen gesehen wurde, waren die fünf ca. 14tägigen Spitzmausbabys daher mindestens 2 Tage unversorgt geblieben, was auch erklärt, warum sie bereits so eiskalt und schwach aufgefunden wurden. Sie waren aufgrund der Unterkühlung über Tage trotz guter Wärmezufuhr nicht thermostabil und verloren schon Körperwärme, wenn man sie nur kurz zur Fütterung aus ihrer Baby-Box holte.

Mittlerweile geht es ihnen gut. Sie dürfen noch ein wenig wachsen, ehe es dann in meinem Garten an die Auswilderung geht....

 

Susanne Wicht