Kaninchenbabys - Little bunnies from the barracks

 

Mitte April 2014 erreichte mich ein Anruf aus der Kaserne der Amerikaner in Bamberg.

Ein kleines amerikanisches Mädchen hatte in einem Nest drei Wildkaninchenbabys gefunden und mitgenommen, wohl, weil es diese so süß fand. Die Kaninchen waren zu diesem Zeitpunkt ca. 8-9 Tage alt, hatten die Augen noch geschlossen und ihr Fellchen war noch sehr kurz. Sie waren noch nicht in der Lage, eigenständig Futter aufzunehmen und benötigten noch Nestwärme.

Die Oma des Mädchens behielt eines für sich, und das Mädchen brachte die zwei anderen zu Freunden. Der Vater der Familie, einer der amerikanischen Militärangehörigen, hatte bereits in seiner Jugend in den USA Kaninchen, die dort auch Babys bekamen. So war ihm die Angelegenheit nicht ganz fremd, jedoch waren er und seine Frau offenbar nicht informiert darüber, dass Kaninchenmütter fremde Babys in aller Regel töten. Genau das hatte die Familie nämlich vor, ihrer Häsin die kleinen zusätzlich zu ihren eigenen Babys unter zu jubeln.

Von der ganzen Geschichte erfuhr eine Dame, die ihrerseits mit einem der Militärangehörigen verheiratet ist und als tierliebende Person gar nicht ertragen konnte, dass den Babys wohlmöglich etwas geschehen könnte. Sie fand unsere Telefonnummer im Internet. Trotz abendlicher Stunde war ich natürlich erreichbar. Zunächst wollte sie sich erkundigen, ob ich eine Chance sehe, wenn die Kaninchenbabys bei der Familie bleiben, doch ich konnte nur abraten, sie einer fremden Mutter ins Nest zu legen.

Frau S. versuchte daher, die Familie zu überzeugen, dass es besser sei, die Tiere in sachkundige Hände zur weiteren Aufzucht abzugeben, doch das Familienoberhaupt hatte Bedenken. Sie gab ihm meine Telefonnummer weiter und wir unterhielten uns (natürlich in Englisch), was die Wildtierhilfe Bamberg mit den Babys zu tun gedenkt.

Der amerikanische Familienvater hatte große Bedenken, wir würden die Kleinen nach der Aufzucht verkaufen wollen. Evtl. ist so etwas in seiner Heimat üblich? Ich habe noch nie gehört, dass Wildtierauffangstationen und Wildtierpflegestellen Kaninchen veräußern. Ich selbst investiere immer nur Geld, anstatt eines zu kassieren. Das erklärte ich dem Herrn auch.  Schließlich war er bereit, Frau S. die Tiere zur Weitergabe an mich abzutreten.

Bereits zu fortgeschrittener Stunde erhielt ich dann die Babys, wir hatten uns am Sub Stop in der Zollnerstraße unweit der Kaserne verabredet, da ich naturgemäß als deutsche Zivilperson keinen Zugang dort habe.

Leider waren es nur die beiden Tiere, das dritte blieb bei der Frau S. unbekannten Oma des Mädchens verschollen. Ich bat sie darum, alles zu versuchen, die Oma ausfindig zu machen und auch das dritte Baby zu retten, doch vergebens. Da es noch ein Saugwelpe war, ist es bestimmt elend zugrunde gegangen.

Die beiden anderen lebten die ersten Tage, solange ihr Zustand kritisch war, bei mir und zogen vor einigen Tagen dann zu einer Forchheimer Helferin um, welche die zwei kleinen süßen Schätzchen weiter aufziehen wird, bis sie selbstständig fressen können.

Osterhäschen im Osterkörbchen - nur für dieses Foto setzte ich die Kleinen in mein Osternest, ansonsten wohnen sie in einer Babytier-Transportbox

 

Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich Frau S. und ihrem Sohn, dass sie engagiert geholfen haben, die Babys zu retten.

To the american family who gave them both to Mrs. S.: It was the right decision to give the tiny little baby rabbits to the Wildtierhilfe Bamberg. They are both well off and have already grown. Their eyes are open since Holy Thursday. Kerstin from Forchheim already sent me two brand new pictures, which you can see here now:

Moppelchen und Flecki kuscheln auf ihrer Lieblings-Fleecedecke

 

Flecki in der Hand bei der Milchfütterung mit Almapharm Astorin Kätzchenmilch

 

Liebe Leser, Sie sehen hier wieder mal, dass sich die Rettungsaktion gelohnt hat. Wir bedauern nur, dass wir durch die Unvernunft der Großmutter des Mädchens nicht auch dem dritten der Babys helfen konnten. Falls Sie, liebe Leser, Wildtiere in Not finden, bitte seien Sie immer vernünftig und überlassen Sie die Pflege einer Person mit dem erforderlichen Fachwissen. Es ist uns klar, dass gerade kleine Kinder sich schnell in ihre Fundtiere verlieben. Es hilft ihrem Kind aber rein gar nichts, wenn es das Tierchen dann aufgrund falscher oder unterlassener Pflege innerhalb von 1, 2 Tagen wieder durch elendes Sterben verliert! Hier muss einfach die Vernunft siegen! Alles andere wäre den Tieren gegenüber nicht gerecht!

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Auch hier möchte ich regelmäßig aktuelle Fotos einstellen. Einfach immer wieder mal reinschauen!

 

Susanne Wicht

27.04.2014:

Und hier kommen die neuesten Fotos der Funny-Bunnies:

Flecki und Moppelchen im Alter von ca. 3 Wochen (Die blauen Kaninchen, aber nicht von Chagall) :

 

Flecki ohne Blaustich:

Flecki und Moppel bekommen Besuch von Babyfeldhasen:

 

... Flecki und Moppelchen fressen jetzt schon gutes, frisch duftendes Heu und getrocknete Feld- und Wiesenkräuter von JR Farm. Dazu gibt es frisches Gras und frischen Löwenzahn, welche sie auch sehr gerne mit ihren kleinen Zähnchen annagen. Ansonsten gibt es weiter die gute Astorin Kätzchenmilch.

Flecki und Moppelchen machen manchmal kleine Freudenhüpfer und putzen sich gegenseitig. Sie haben eine unbeschwerte Kindheit bei ihrer Ersatzmama. Noch während diese Zeilen entstehen, hat schon wieder jemand einen Notruf los gelassen: In der  Nähe von Aachen fanden Schulkinder ein einzelnes Wildkaninchenbaby, im gleichen Alter, in dem Flecki, Moppelchen und ihr verschollenes Geschwisterchen gefunden wurden. Die Schulsozialarbeiterin übernahm es, da sie selbst Kaninchenhalterin ist und wird es nun nach meinen Ratschlägen aufziehen. Wir hoffen, das funktioniert bei ihr genauso gut wie bei Flecki und Moppel.

 

 

Susanne Wicht

 

 Nachtrag vom 12.05.2014: Ein Anruf der Aachener Schulsozialarbeiterin sorgte für Freude: Auch ihr Fund-Baby hat überlebt und wächst und gedeiht!   :-)