Illegale Fallensteller – Fuchswelpe musste wegen Fallenstellern leiden

 

Am Pfingstsonntag Nachmittag, den 24.05.2015, wurde ich von der Polizei Bamberg-Land kontaktiert. Zum Zeitpunkt des Anrufs konnte ich noch nicht wissen, was hier wieder auf mich zukommen würde…

Eine Hundegassigängerin hatte mit ihrem Hund in einem dichten Gebüsch bei Hallstadt eine Lebendfalle entdeckt, in der sich bereits seit dem Morgen ein junger Fuchs befand. Die Finderin hatte morgens noch nichts unternommen, da aber der Fuchs beim Nachmittags-Gassi-Gang noch in der Falle saß und mittlerweile am Bein verletzt war, rief sie die Polizei. Ich ließ mir von dem anrufenden Polizisten die Telefonnummer des zuständigen Jagdpächters geben und fragte nach, ob die Falle von ihm selbst stammen könnte. Nein, so seine Information, er und seine Kollegen würden keine Fallen aufstellen. Alarmiert, wer da in seinem Revier unerlaubt wildern geht, machte er sich sofort mit der Finderin und mir auf den Weg zu dem besagten Gebüsch neben einem Feldweg von Hallstadt Richtung Kemmern, seine Jagdflinte an Bord. Wir hatten ein sehr interessantes Gespräch über Jagd und ihre Problematiken.

Am Fundort angekommen zeigte uns die Finderin zusammen mit ihren zwei Kindern die Falle, sehr gut getarnt in einem dicht belaubten Gebüsch, in dem sich eine Art Holzstall befand. Davor stand die Falle.

Fuchswelpe in der Falle, Aufnahme vor der Tierarztpraxis während des Wartens auf die Tierärztin

 

Dort angekommen, stellte ich fest, dass es sich um einen Fuchswelpen handelte, der in eine äußerst missliche Lage geraten war. In der Lebendfalle befand sich eine kippbare Metallplatte, und in diese war ein Haken eingelassen, der auf einer Seite ein spitzes Ende besitzt. In diese Schlaufe war der Fuchswelpe mit seinem Hinterlauf geraten. Die Hautverletzung hielt sich noch in Grenzen, doch war zu sehen, dass das Bein durch Drehen und Winden gebrochen war. Ein Bruch an sich ist noch kein Todesurteil. Ich bat den Jäger, die Flinte im Auto zu lassen und dem Tier beim Tierarzt eine Chance zu geben.

Er war damit einverstanden. Vielen Dank an dieser Stelle Herrn F. für sein Verständnis für besorgte Wildtierhelferinnen und Päppelmütter, die Tiere lieber lebend sehen und daher alles tun, um helfen zu können. Unser Jäger erklärte, er wolle mit seinen Kollegen auf alle Fälle weitere Kontrollgänge wegen einer neuerlichen Fallenaufstellung machen. Vor allem ist zu befürchten, dass dort in diesem Areal noch weitere Fallen aufgestellt sind. Wir bleiben diesbezüglich in Kontakt, da solchen üblen Personen kein Freiraum zur Entfaltung ihrer illegalen und brutalen Machenschaften gelassen werden darf. Fallenstellerei ist heutzutage nach Auskunft des Amtes für Naturschutz des Landratsamts Bamberg von 2014 leider sehr verbreitet, vor allem kommen Fallensteller aus den Ostblockländern, um mit Wildtieren aus Deutschland Geld zu machen. Es sind bettelarme Leute, aber Geld mit dem Elend anderer zu verdienen ist nicht die Lösung ihres Problems.

Wir wollen noch Anzeige gegen unbekannt erstatten.

Den Fuchs konnten wir an Ort und Stelle gar nicht aus der Falle befreien, da wir kein Werkzeug zum Öffnen der Falle dabei hatten. Wohl oder übel musste der Fuchs für die Fahrt zum Tierarzt also in der Falle belassen werden, was dem Bein nicht förderlich war.

 

Fallenmechanismus führt zu schweren Verletzungen, wenn das Tier in der Lebendfalle hin und her läuft

 

Zum Glück war die Tierärztin, welche Notdienst hatte, bald vor Ort, auch wenn es mir eine Ewigkeit vorkam, die ich vor der Praxis warten musste. Ich hatte kurzfristig unseren Manni mit an Bord des Kangoo geholt, da er Werkzeug zum Öffnen der Falle hatte.

Wir hatten Mühe, den Fuchs in einer Lage zu halten, die eine Narkotisierung durchs Gitter ermöglichte. Es klappte dennoch gut – der süße kleine Fuchswelpe mit den drolligen Augen schlief schnell ein. Es gelang mit einem Seitenschneider unter viel Kraftaufwand, den starken Gitterdraht zu durchschneiden. Wir machten eine Öffnung von oben hinein, um den Fuchs so herausholen zu können. Die Tierärztin untersuchte das Bein gründlich.

 

Die Tierärztin untersucht das schwer verletzte Bein gründlich

Der Schaden war doch größer als angenommen, wie uns die Röntgenaufnahme zeigte. Das Sprunggelenk war völlig zerstört. Vermutlich kam es während des Transports in dem unseligen Mordwerkzeug zu weiteren Schäden durch Fluchtbewegungen.

Während man bei Haustieren wie Hunden und Katzen in solchen Fällen amputiert oder versteift, weil das Tier im behinderten Zustand in behütetem Umfeld bei seinem Eigentümer weiter leben kann, ist ein Fuchs unter solchen Bedingungen nie wieder auswilderbar, da er so langsam wird, dass er keine Beute mehr fangen kann.

Da ich aber auch eine Gehegehaltung in einer Wildtierauffangstation für vertretbar und machbar hielt, versuchte ich eine Kollegin zu erreichen, die zumindest ein kleines (und erweiterbares) Gehege besitzt. Ich konnte sie jedoch telefonisch nicht erreichen. Ich selbst hätte zwar den Platz für ein tolles großes Gehege (ich könnte 1500 qm bieten), doch ich könnte niemals die Kosten für ein so großes Stahl-Gehege aufbringen.

Wieder mal aus wirtschaftlichen Gründen war es nicht möglich, einem durch böse Menschen zu Schaden gekommenen Tier zu helfen.

Sie können sich nicht vorstellen, wie mir zumute war, als ich der Tierärztin mein Einverständnis zur Euthanasie gab. Dass Leben genommen werden müssen, weil es an Geld mangelt, ist für mich einer der schlimmsten Schläge in der Wildtierhilfe überhaupt.

Während mitleidige Leute für Hunde und Katzen in Not oft großzügig spenden, ist die Spendenbereitschaft für Wildtiere sehr gering. Jedes Tier, also auch jedes Wildtier, hängt jedoch an seinem Leben, und möchte auch weiter leben, selbst wenn es gehandicapt ist.

Ein Hunde- oder Katzenleben zählt nicht mehr als das einer Krähe, Taube oder einer Ratte, und auch nicht mehr als das eines putzigen kleinen Fuchswelpen. Alle  Tiere sollten daher vom Menschen auch als gleichwertig betrachtet und behandelt werden. Wer nur die eigenen Lieblinge schützt, ist kein Tierschützer, sondern lediglich ein Freund seines eigenen Haustieres.

Ich bedauere sehr, dass es an den wirtschaftlichen Mitteln fehlte, einem behinderten Fuchs ein schönes großes Freilandgehege zu schaffen. Ein Fuchsgehege mit 1500 qm wäre mit Sicherheit eines der größten in Deutschland überhaupt gewesen, doch was hilft es, wenn Menschen ihr Geld lieber für die neuesten Smartphones, schicke Autos, Partybesuche und Markenklamotten ausgeben wollen als für Wildtiere in Not? Wir hatten bereits seit 2013 um Spenden für Wildtiergehege und Volieren gebeten und mehrfach auch in facebook dazu aufgerufen, jedoch nur einige wenige persönliche Bekannte von uns sind überhaupt bereit, mal kleinere Spenden zu geben, die nicht mal im Entferntesten für Futtermittel und Tierarztkosten reichen. Wir wenden daher sehr viel privates Einkommen für die Wildtiere in Not auf und verzichten selbst laufend auf alle Annehmlichkeiten. Von außen kommt wenig finanzielle Hilfe herein. Die Menschheit denkt überwiegend lieber an das eigene Wohl.

Diese Erkenntnis und der Verlust des kleinen Fuchses werden noch sehr lange an mir nagen.

Wildtierhilfe ist nicht immer toll und erfreulich. Wir sehen viel Leid, und meist wird es vom Menschen verursacht, was mich besonders traurig stimmt: Ob durch Freigängerkatzen, die wildern, ob durch Verkehrsunfälle, Scheibenaufprall, Strommasten, offene Regentonnen, Zerstörung des natürlichen Lebensraums etc… die Liste der Schäden, die der Mensch anrichtet, ist noch viel länger.

Den Fallenstellern von Hallstadt und anderswo jedenfalls wünsche ich inniglichst, dass jede Sekunde des Schmerzes des kleinen Fuchses, der sich stundenlang in der Falle abstrampelte, siebenmal so schlimm auf sie selbst zurück fallen möge.

Allen Hundegassigängern empfehle ich, generell die Augen wegen illegaler Fallen offen zu halten. Hier mein Aufruf an alle Leser:

Bitte melden Sie Fallen, egal ob Lebend- oder Totfallen (Schnappfallen) sofort der Polizei und dem zuständigen Jagdpächter oder uns, der Wildtierhilfe Bamberg-Forchheim. Wenn Sie ein Tier in einer (Lebend)Falle finden, wird sofort Hilfe benötigt, noch bevor das Tier Schaden genommen hat.

Am Morgen beim Entdecken durch die Finderin war der Fuchs noch unversehrt, da hätte ich ihn problemlos befreien können.

Bitte teilen Sie diesen Bericht in Ihrem Bekanntenkreis und in Ihrer Familie, je mehr Tierfreunde den Bericht lesen, desto mehr Leute erreichen wir, die ihre Augen offen halten können. Solchen gewissenlosen Tierquälern darf einfach keine Chance gegeben werden!!!

Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

Da wir für den tierärztlichen Notdienst eine teure Rechnung zu erwarten haben, bitte ich an dieser Stelle auch um Spenden auf unser Spendenkonto. Wir haben ja nicht nur diesen einen Notfall, sondern viele, und unser Einkommen ist naturgemäß begrenzt.

Über Spenden für diese und andere Tierarztrechnungen würden wir uns sehr freuen, da wir nur so weit helfen können, wie uns Finanzmittel zur Verfügung stehen. Ich fände es tragisch, wenn der nächste Fuchs elend in einer Falle dahinsiechen muss, weil niemand bereit ist, Geld für seine Rettung zu investieren.

Ein herzliches Dankeschön im Voraus an alle lieben, mitfühlenden und großzügigen Wildtierfreunde, die sich an den Kosten beteiligen!

 

Susanne Wicht