Ein Fall für die Kripo

 

Samstag, der 13.12.2014, 9.00 Uhr morgens. Gerade bin ich mit meinem alten Golf in der Straße eingetroffen, in der unser Tierrettungsfahrzeug über Nacht geparkt war. Ich benötige es nun für ein paar Einkaufsfahrten - Futtermittel und Einstreu müssen besorgt, Mist muss zur Kompostieranlage gebracht werden. Ich laufe von hinten auf unseren Kangoo, meinen ganzen Stolz, zu.

Aber hoppla - was ist das? Meine Brille passt leider nicht mehr so ganz von der Stärke her, aber dass ich jetzt schon ganze Bestandteile eines Autos nicht mehr damit sehen kann, das war noch nie da!  surprise

Aber auch bei intensivstem Zwinkern und Augenreiben ergibt sich kein anderes Bild vom Heck des Kangoo: Das hintere Nummernschild ist ab. Weg. Fort. Unauffindbar verschollen.

Mein erster Gedanke: Unser ehrenamtlicher Fahrer Manni hat den Kangoo gestern benutzt, evtl. ist ihm das Nummernschild bei der letzten Fahrt einfach unbemerkt abgefallen? Mittlerweile beim Fahrzeug angekommen, greife ich unwillkürlich dorthin, wo nun nicht mehr das ist, was sich dort befinden sollte.

Ich berühre eine der beiden übrig gebliebenen Schrauben. Nanu, die sind noch dran? Wie bitteschön ist das möglich - ein Kennzeichen fällt mitsamt seinem Plastikrahmen vom Auto ab - und die Schrauben befinden sich noch am Fahrzeug??? Man sollte annehmen, dass die Schrauben sich zuerst lösen, abfallen und das Kennzeichen mit Rahmen hinterher. Nicht hier jedenfalls.

Wenn die Schrauben also noch da sind - ist das Teil nicht abgefallen, sondern abgenommern worden, so meine Schlussfolgerung. Ja, hättest du mal lieber nicht die Schraube angefasst, sagt eine Stimme in meinem Inneren. Vielleicht waren da Fingerabdrücke dran...

Natürlich bleibt jetzt nur noch eines: Bei der Polizei anrufen. Nein, kein Wildtiernotfall dieses Mal, erkläre ich dem Beamten am Telefon. Eher ein Diebstahl.

Ich soll zur Erstattung einer Anzeige gleich zur Zentralwache kommen. Passt zeitlich natürlich wieder wie die Faust aufs Auge, denn die BayWA hat nur bis 12 Uhr geöffnet, und die Kompostieranlage ebenfalls...

Doch es hilft nichts, was sein muss, muss sein, und so düse ich mitsamt meinem Fahrzeug mit dem nacktem Popo zur Polizei. Dort ist naturgemäß viel los, Unfallanzeigen, Zeugenvernehmungen etc. ... Die junge Beamtin und ihr Kollege hinter der Info-Theke beklagen sich, dass sie sich nicht zerteilen können.

Klonen empfehle ich als Patentlösung gegen Personalprobleme. Die Idee kommt gut an.

Schließlich ist "mein" Polizist mit den Anzeigeformularen fertig und ich darf wieder weiter düsen. Die Kollegen von der Kripo würden sich noch bei mir melden, zwecks Spurensicherung, sobald sie Zeit hätten. Nicht ohne süffisantes Grinsen empfiehlt er mir, die Schrauben für die Befestigung des Nummernschildes nicht mehr  zu berühren...

Tatsächlich melden sich am frühen Nachmittag dann auch zwei nette Herren von der Kripo bei mir, die nicht nur eventuelle DNA-Spuren an den verbliebenen Schrauben suchen, sondern auch gleich noch eine DNA-Probe von mir haben möchten, damit man meine eigenen Fingerabdrücke von denen potentieller Täter unterscheiden kann. Damit habe ich natürlich kein Problem, denn ich habe nicht vor, straffällig zu werden. 

Auf alle Fälle schon mal gute Arbeit von den beiden Fachleuten, mein Tierrettungsfahrzeug auf einem verborgenen Waldweg ausfindig zu machen, wo ich mich zu der fraglichen Zeit befinde - nämlich genau vor unserer neuen, künftigen Wildtier-Auffangstation.

Bleibt die Frage, wer hat das Kennzeichen entfernt und aus welchem Grunde? Ein Dummejungenstreich, eine Art Sabotage-Akt von Neidern oder psychisch kranke Sammelleidenschaft? Es ist nicht das erste Mal, dass Schilder der Wildtierhilfe Bamberg verschwunden sind. Auch die Magnetschilder an unseren Privat-PKWs verschwanden schon teilweise oder wurden abgezogen und schräg wieder aufs Auto geheftet.

Ein sehr kindisches Vorgehen, wie wir finden, und obendrein eine Straftat, wenn fremdes Eigentum beschädigt oder gar entwendet wird. Wir hoffen, dass sich dergleichen nicht mehr wiederholen wird. Für uns ist das Abhandenkommen des Kennzeichens mit einer unnötigen Geldausgabe für die Beschaffung neuer Schilder und Umkennzeichnung bei der Zulassungsstelle verbunden. 70 Euro, die wir eigentlich für unsere Wildtiere in Not gebraucht hätten...

 

 

Susanne Wicht

 

 

BA-WT 15 ist Vergangenheit, aufgrund des Kennzeichendiebstahls hat unser Tierrettungsfahrzeug nun ein neues Kennzeichen erhalten: