Drei Weihnachtsengel für Manni

 

oder: Wir helfen den Hilflosen....

 

Dies ist die Fortsetzung des Berichtes über den verhinderten Wohnungsbrand. Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert.

 

An dieser Stelle muss ich vorab meinen Helferinnen danken für ihr außerordentlich großes gemeinnütziges Engagement, ohne welches auch die folgende (wahre) Geschichte anders verlaufen wäre. Die Personen, welche hinter der Wildtierhilfe Bamberg stehen, sind schon seit jeher bekannt dafür, zu helfen - wo auch immer ihnen eine Notlage bekannt wird.

In diesem Fall halfen wir nicht einem Tier, sondern einem hilfebedürftigen Menschen. Der Eigentümer, dessen Katze wir im Auftrag der Polizei Bamberg-Stadt am 30.11.2013 aus dessen Wohnung geholt haben, weil er sehr krank war und im Klinikum bleiben musste, beschäftigte unsere Gedanken immer wieder. Da er sich in der Folgezeit nie meldete, obwohl die Station von mir meine Telefonnummer erhalten hatte, beschlossen wir, ihn von uns aus zu kontaktieren. Später stellte sich heraus, dass er uns gar nicht kontaktieren konnte. Er hatte sein Handy zuhause gelassen. Außerdem hatte das Klinikumpersonal ihm meine Telefonnummer nicht weitergegeben (Nachtrag: Die Nummer gaben sie erst bei der Entlassung an ihn weiter). In Absprache mit der behandelnden Ärztin besuchte ihn Inge mit einigen Katzenfotos seiner Mieze und einem kleinen Weihnachtsgeschenk am Nachmittag des Heiligen Abends. Der Katzeneigentümer, wir nennen ihn hier mal Manni, war ein einsamer Mensch. In der ganzen Zeit, in der er sich schon im Klinikum aufhielt, hatte ihn nie ein Mensch besucht. Kein Familienangehöriger, kein Freund, keine Nachbarn, keine Bekannten. Niemand brachte ihm Wäsche zum Wechseln, niemand kam, um ihm zu erzählen, was außerhalb des Klinikums so vor sich geht. Manni war von Gott und der Welt verlassen. In sich gekehrt, schweigsam und durch die starken Medikamente total retardiert wirkte er tatsächlich sehr mitleiderregend.

Inge erzählte mir nach dem Besuch, dass er mutterseelenallein ist. Schnell war klar, auch hier haben wir mal wieder ein Sorgenkind, das Hilfe braucht. Jemand muss ihm Wäsche zum Wechseln bringen, jemand muss seinen Briefkasten leeren, jemand muss seine Blumen gießen. Inge ließ sich eine Einverständniserklärung und die Wohnungssschlüssel geben.

Am ersten Weihnachtsfeiertag waren wir zunächst in seiner Wohnung, um Kleidung zu holen. Bei Tageslicht sah man erst so richtig, dass es hier viel zu tun geben würde. Das letzte Mal waren wir nach Dunkelheitseinbruch dort gewesen, um die Katze zu retten. Nach dem Einpacken der Bekleidungsstücke und dem Gießen der Blumen nahmen wir noch die im Briefkasten befindliche Post für ihn mit und begaben uns wieder ins Klinikum.

Wir erklärten Manni, dass er in Zukunft nicht mehr alleine ist und dass wir ihm helfen, sei es mit Schreibkram oder dabei, seine Wohnung wieder auf Vordermann zu bringen. Er war sehr froh, frische Kleidung und sein Handy zu erhalten. Ich konnte den Stein, der auf seinem Herzen lastete, förmlich fallen hören.

Manni, der vor diesem Tag einen völlig abwesenden und in sich gekehrten Eindruck machte, erholte sich auf einmal über Nacht. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, als ich ihn alleine besuchte, ging es ihm spontan schon sichtlich besser. Was menschliche Zuwendung bewirken kann! Manni bekam nun regelmäßig von uns Besuch.

Eine gute Bekannte erklärte sich damit einverstanden, die Grundreinigung des Wohnzimmers und Badezimmers zu übernehmen, was eine große Arbeitsaufgabe war. Flur und Schlafzimmer räumte ich auf, was ebenfalls Stunden erforderte. Die Küche war das Betätigungsfeld von Inge, auch sie hatte hier einiges zu leisten. Die anstehenden Maler- und Renovierungsarbeiten teilten wir uns ebenfalls auf. Ich erledigte die schriftlichen Angelegenheiten und besorgte ein paar neue Dinge für die Wohnung. So wollten wir Manni helfen, dass er nicht wieder in ein einsames Leben ohne Hoffnung zurück kehren muss. Er sollte auch ein lebenswertes Umfeld vorfinden, wenn er nach Hause zurück kehrt. Dafür waren mir die Ausgaben, die ich übernahm, nicht zu teuer.

Manni ist sehr dankbar. Wir sind seine Weihnachtsengel. Außer uns hat er im Klinikum noch einen weiteren neuen Kumpel, einen Leidensgenossen gefunden, mit dem er sich angefreundet hat.

So hat der einsame Manni heuer kein einsames Weihnachten ohne Hoffnung erlebt. Er ist jetzt auch kein einsamer Mensch mehr. Er hat uns.  :-)

Wir hoffen, dass es Manni dank unserer Unterstützung und der medizinischen Hilfe nun täglich besser geht und dass er bald wieder mit seiner Katze in der neu gestylten Wohnung leben kann. Damit wäre sowohl unserem Manni als auch seiner Katze geholfen. Vielleicht ist Manni eines Tages wieder so gesund, dass er uns ehrenamtlich helfen kann, denn wir haben viel Arbeit und können Unterstützung immer gerne brauchen.

Diese Geschichte habe ich aufgeschrieben, um unseren Lesern zu zeigen, dass wir uns grundsätzlich für Notleidende einsetzen, nicht nur für Tiere. Der Fall von Manni zeigt, wie engagiert und hilfsbereit die Mitglieder der Wildtierhilfe Bamberg sind. Ich bin stolz, dass ich auf einen solchen Helferkreis zählen kann. Ich möchte damit unseren Lesern auch näher bringen, sich selbst für Tiere und Menschen in Not einzusetzen. Helfen macht Freude. Versuchen Sie es doch selbst einmal...

 

Susanne Wicht

 

Nachtrag vom 09.01.2013:

 

Unser Manni hat sich in den letzten Tagen prima gemacht, so dass er am 10.01.2014 aus dem Klinikum entlassen werden kann.  Zum Glück wurden die sehr starken Medikamente abgesetzt, so dass er schon fast wieder der alte Manni von zuvor ist. Er wird von uns abgeholt und nach Hause gebracht. Auch zukünftig werden wir mit ihm in Kontakt bleiben, denn er hat sich uns als Dankeschön für unsere Hilfe als freiwilliger Helfer für Tiere in Not angeboten! Nun fehlt uns nur noch eines: Das von uns sehnlichst erstrebte Tierrettungsfahrzeug, für welches wir schon ein Jahr lang Sponsoren gesucht haben, könnte Manni nämlich fahren, wenn tagsüber Rettungsfahrten nötig sind. Eine wichtige Versorgungslücke wäre somit geschlossen.

Wir wünschen Manni jedenfalls alles Gute und weiterhin gute Genesung. Er ist ein netter Kerl und wir freuen  uns sehr, wenn er unser Team künftig unterstützt. Er wird dann übrigens der erste Mann sein, der aktiv in der Tierbetreuung mithilft. Bislang bestand unsere Tierpfleger-Gruppe ausschließlich aus Damen. Manni ist bei uns also der Hahn im Korb.   ;-)

 

Nachtrag vom 26.01.2014:

Manni, mittlerweile wieder gesund und munter, hat sein Versprechen gehalten und steigt bei der Wildtierhilfe Bamberg mit ein. Seine erste Tierrettungsfahrt hatte unser Manni am 25.01.2014. Da haben wir gemeinsam aus der Gartenstadt einen Kernbeißer abgeholt, dem eine Freigänger-Katze schlimme Verletzungen zugefügt hatte. Der Kernbeißer wurde von uns zu unserer Kleinvogelpflegerin Moni gebracht und dort konnte er sich zu seinem Glück und zu unserer Freude wieder erholen. Da sein ausgerissenes Gefieder erst nachwachsen und die Verletzung erst heilen muss, kann er sich freuen, dass er bei eisiger Kälte nicht hungrig im Freien vegetieren muss, sondern bei Moni bis zum Frühjahr mit der feinsten Körnernahrung und guter Pflege im Warmen überwintern darf. Glück im Unglück!

Nachtrag vom 21.04.2014:

Manni hat zwischenzeitlich gelernt, wie man richtig Babyfeldhasen füttert und springt somit bei den jüngeren Feldhasenkindern als "Tagesmutter" ein, wenn ich auf Arbeit bin. Das ist eine Entlastung für mich, denn es wäre auf Arbeit nicht gerne gesehen, dass ich mit einem kleinen Zoo anrücke. Manni beherrscht das Milch-Füttern mittlerweile wie der sprichwörtliche alte Hase und kennt auch das Rezept für die Zubereitung ganz genau. Ich bin dankbar, dass Manni mir Arbeit abnimmt. Nun warten wir nur noch darauf, dass wir endlich ein Tierrettungsfahrzeug gesponsert bekommen, damit Manni die Abholungsfahrten und Fahrten zum Tierarzt übernehmen kann.

Nachtrag vom 18.05.2014:

Wir haben nun endlich unser Tierrettungsfahrzeug gespendet bekommen! Manni, der ausgesprochen gerne Auto fährt, ist stolzer Fahrer des weiß-orangen Renault Kangoo. Er fährt für uns die Abholungsfahrten und Fahrten zum Tierarzt. Informationen über das Fahrzeug gibt es im speziellen Artikel über unseren Kangoo:

http://wildtierhilfe-bamberg.npage.de/tierrettungsfahrzeug-fuer-die-wildtierhilfe-bamberg-gespendet.html

Nachtrag vom 23.05.2014:

Welch ein Glück für uns, dass die Polizei seinerzeit uns und keine andere Einrichtung erreicht hat, denn Manni ist aus unserem Helferkreis gar nicht mehr weg zu denken. Manni düst in Stadt und Landkreis Bamberg, in Bayreuth, Zeil am Main oder sonstwo herum und hilft, wo andere Hilfe versagen. Ohne Manni und sein Tierrettungsfahrzeug wären einige Fundtiere am Fundort oder bei ihren Findern gestorben. Dank Manni und dank Rico Starrach, dem Spender des Fahrzeugs, können sie leben. Wir können gar nicht sagen, wie erleichtert wir hierüber sind. Liebe Leser, da die Benzinkosten für die Abholungsfahrten und Fahrten zum Tierarzt ziemlich hoch sind, wären wir für Benzingeldspenden auf unser Konto sehr dankbar!

Nachtrag vom 19.04.2015:

Mehr als ein Jahr nach der Rettung unseres hilflosen Manni stellen wir fest: Manni ist gesund geblieben, er kann im kleinen Umfang wieder zur Arbeit gehen, was er vorher jahrelang nicht mehr konnte, und er sagt auch immer wieder, dass er mit seinem heutigen Leben zufrieden ist. Es hat einen neuen Sinn bekommen.

Die schrecklichen Zeiten in seinem Leben sind vorbei.

Leider kann Manni uns nicht mehr als ehrenamtlicher Fahrer unterstützen. Wir suchen daher jemand Neues, der für uns die Abholungsfahrten vom Fundort übernehmen kann. Manni unterstützt die Wildtierhilfe Bamberg aber weiterhin im Rahmen seiner Möglichkeiten, z. B. durch den Aufbau von Freigehegen oder durch die Versorgung von Feldhasenbabys, wenn ich mal durch meinen Beruf verhindert bin und Not am Mann ist.

 

Mannis Katze, die wir seinerzeit aus seiner Wohnung retteten, als er ins Krankenhaus musste. Die Miezekatze und er verstehen sich super, und teilen beide ihre große Leidenschaft, faul auf dem Sofa herumzuliegen.   laugh