Die Kangoo-Maus

 

Eine frühere Beiratskollegin des Vereins, von dem wir uns im Herbst 2013 geschlossen getrennt hatten, rief mich im Oktober 2014 an. Eine kleine Maus habe ihre Katze mal wieder gefangen. Das Tier sei noch am Leben und sie wolle das Tier gerne jemand zur Rettung in Pflege geben.

Ich bat sie, da ich gerade auf dem Weg zur Arbeit war, die Maus zum Tierarzt zu bringen. Dort könnte sie zwischenzeitlich mit Medikamenten versorgt werden. Ich würde sie dann abends nach der Arbeit abholen.

Sie selbst zum Tierarzt zu bringen, hätte ich nicht mehr geschafft. Ich war bedingt durch eigene Pfleglinge schon spät dran und hatte vor der Arbeit noch nach meinem Vater, der mittlerweile zum Schwerstpflegefall geworden war, sehen müssen. Nicht nur nach ihm, denn meine Mutter war zu dieser Zeit nach einem Vierteljahr Rund-um-die-Uhr-Betreuung selbst schon recht angegriffen.

Tagsüber auf Arbeit verging die Zeit wie im Fluge, und abends wurde das Mäuschen wie vereinbart von der Tierarztpraxis abgeholt. Es befand sich einige Tage in meiner Obhut und sollte dann wieder frei gelassen werden. Auf der Fahrt zum Auswilderungsort kam ein neuer Notruf, ich musste wenden und dem Notruf nachgehen. Als ich mit dem neuen Patienten wieder zum Tierrettungsfahrzeug zurück kehrte und nach der Maus sah, war sie verschwunden.

Da das Fahrzeug verschlossen geblieben war, konnte sie nur im Kangoo stecken. Erst musste jedoch der neue Patient versorgt werden, danach begann, nun bereits im Dunklen, die Suche nach der kleinen Maus.

Doch so sehr ich auch mit meiner guten und sehr hellen LED Lenser Taschenlampe alles ableuchtete, die Maus blieb verschollen. Kopfüber lugte ich unter die Sitze - Eiskratzer, Einlagen für Transportboxen, Hundeleine für Fundhund-Fälle, eine von Manni leer gemampfte Haribo-Saftbären-Tüte... aber kein Mäuschen. Gleichzeitig besorgt und etwas verärgert nahm ich auch noch Gummiabtrennungen hinter den Sitzen auseinander, doch auch in den Zwischenräumen dahinter fand sich keine kleine freche Maus...

Ich stellte Futter- und Wassernapf auf der Beifahrer-Fußmatte auf und sperrte das Tierrettungsfahrzeug ab.

Am nächsten Tag war etwas Futter aus dem Napf verstreut, ein Zeichen, dass die Maus noch da war. Sie zernagte in den Folgetagen die Einlagen für die Transprortboxen, baute sich daraus ein Nest und nagte auch Mauselöcher in unsere schwarze Gummimatte im Heck. Doch sie blieb unsichtbar.

So kommt es, dass wir nun seit Wochen mit Wasser- und Futternapf an Bord und wechselnden kleinen Mäusenestern unsere Fahrten absolvieren. Tagsüber versteckt sie sich wohl in einem der Sitze, denn wir haben auf dem Armaturenbrett und im Fahrzeug verstreut abgenagte kleine Teile vergilbten Schaumstoffs gefunden. Im ganzen Kangoo finden sich immer Schnitzelchen von den Einlagen, welche die Kangoo-Maus herum trägt, um ihr Bettchen im Sitz weiter auszupolstern.

Da können wir ja noch froh sein, dass die Mäusebacke alleine war  und nicht im Team, denn sonst würde es im Kangoo bald vor lauter Mäusen wimmeln! wink

Unsere Stadtsteinacher Kollegin Sabine Witt rief mich kürzlich an. Sie habe doch noch Volieren und Boxen für uns, wann wir diese denn nun mal abholen würden (Stadtsteinach ist nicht gerade der nächste Weg). "In den Kartons mit den Volieren wohnen glaube ich mittlerweile Freunde für eure Kangoo-Maus!" lachte sie. "Die könnt ihr gleich mit nehmen, wenn ihr die Sachen holt!"

Wir suchen natürlich weiter, obwohl sich unsere Kangoo-Maus im Auto anscheinend recht wohl fühlt. Hier lebt man ohne Risiko, vom Feind getötet und gegessen zu werden! Essen und Trinken gibt es immer reichlich und gratis dazu. Was will maus mehr...

Und da sie nicht gestorben ist, lebt sie auch noch heute!   laugh

 

Susanne Wicht