Barty, die Bartagame

 

Sonntag, der dritte Advent des Jahres 2014: Nach einem arbeitsreichen Tag erreicht mich abends der Anruf eines Mitstreiters in Tierschutzangelegenheiten, eine Bartagame würde dringend meine Hilfe benötigen.

Das Tier sei völlig unterkühlt und ausgezehrt in der Damentoilette einer Gaststätte gefunden worden. Zustand lebensbedrohlich.

Wieder mal keine Zeit zu verlieren also. Wärmelampe, Flüssigkeit und Mehlwürmer sowie Heimchen schnappen und losdüsen!

Bei Alex, so heißt mein Tierschutz-Bekannter, eingetroffen, sah ich gleich, dass die arme Bartagame trotz Wärmebehandlung mit dem Fön (er hatte gerade keine andere Wärmequelle zur Hand) kreislaufmäßig sehr schwach beieinander war. Wenngleich ich keine Reptilienexpertin bin, so gibt es doch bestimmte Grundsätze, die für alle Lebewesen unseres Planeten Gültigkeit besitzen: Keine Energie ohne Nahrung und Flüssigkeitszufuhr. Und beides war im Fall der armen Bartagame dringlichst nötig.

Zu schwach, um selbst zu fressen, musste ich sie zwangsfüttern. Mit der nötigen Flüssigkeit (das Tier war bereits völlig dehydriert und faltig-eingefallen) und ein paar Notfall-Rationen Mehlwürmern sowie der Infrarot-Wärmelampe kehrte wieder etwas Lebensenergie in das völlig geschwächte Tier zurück. Es ließ sich brav füttern und kuschelte anschließend sogar in meinem Arm.

Barty ist ein richtig nettes Kerlchen (oder Mädchen, das kann ich mangels Sachkunde für Bartagamen leider nicht beurteilen) und es war sehr dankbar für die Hilfe und Rettung.

Der fast verhungerte Barty bei Alex zuhause

Insbesondere kann sich Barty freuen, dass Alex, obwohl er Reptilien eher gruselig findet, sofort losdüste, um ihn zu retten. Ohne den Eiltransport in die Wärme wäre Barty bereits nicht mehr am Leben.

Zu Bartys Glück kannte Alex einen jungen Mann aus der Nähe Erlangens, der sich schon länger Bartagamen wünschte und auch vorab schon ein Terrarium selbst fertig gebaut hatte. Dieser kam auch in erstaunlicher Schnelligkeit nach Bamberg und holte den mittlerweile "aufgetauten" Barty samt Futtervorrat und Wärmelampe bei Alex ab. Ich zeigte ihm noch, wie man Barty zwangsfüttern kann.

Wir wünschen Barty, dass er schnell wieder gesund wird und an Gewicht zulegt.

Es sei für unsere Leserinnen und Leser noch darauf hingewiesen, dass wir im oberfränkischen Raum leider nur sehr wenige Tierschützer kennen, welche Reptilien in Not aufnehmen und artgerecht unterbringen können. Unserer Meinung nach benötigen wir für die Region eine eigene Auffangstation für Reptilien und Exoten. Wir hoffen, dass sich Tierschutz-Kollegen finden werden, die eine solche Einrichtung ins Leben rufen werden. Wir würden die neue Auffangstation für Reptilien und Exoten jedenfalls sehr befürworten.

 

Susanne Wicht