Greifvogel gefunden?

 

Männlicher Junghabicht nachts auf einem Ast

 

Wenn Sie einen dem Jagdrecht unterliegenden Greifvogel (Taggreife wie Bussard, Habicht, Falke, Sperber) gefunden haben, der hilfebedürftig ist, müssen Sie das Einverständnis des Jagdpächters einholen, um das Tier mitnehmen zu dürfen. Der Jagdberechtigte hat das Vorrecht, ein Wildtier in seinem Jagdrevier an sich nehmen zu dürfen. Er darf damit auch verfahren, wie er das möchte.

Das ist nicht immer tierschutzgerecht, aber es ist Gesetz.

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Wir zitieren aus den Vollzugshinweisen des Artenschutzrechts:

6.2.2.

Aufnahme verletzter, hilfloser oder kranker Tiere (§ 45 Abs. 5

BNatSchG)

Es ist erlaubt, vorübergehend verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie

gesund zu pflegen und unverzüglich wieder freizulassen. Bei Tieren, die dem Jagdrecht

unterliegen, müssen die Jagdausübungsberechtigten oder deren Beauftragte ihr Einver-

ständnis zur Aufnahme gegeben haben (zur zeitlichen Dauer des Besitzes: siehe Kap.

7.2.6). In der Praxis erscheint es allerdings aufgrund der Dringlichkeit geboten, einen

verletzten, hilflosen Greifvogel zunächst in eine Tierklinik oder Pflegestation zu brin-

gen, bevor der Jagdausübungsberechtigte informiert wird. Dieser wird in diesen Fällen

in der Regel keine Bedenken haben. Die Vollzugsbehörde sollte dieses Verfahren gene-

rell mit der örtlichen Jägerschaft und/oder Jagdbehörde abstimmen.

 

Nachtgreife wie Kauz, Waldohreule, Sumpfohreule, Uhu etc. unterliegen nicht dem Jagdrecht, so dass ihre Entnahme aus der Natur auch nicht dem Jagdpächter gemeldet werden muss. Sie müssen bei besonders geschützten Tierarten allerdings Ihre zuständige Naturschutzbehörde informieren und ihr Fundtier unverzüglich in eine sachkundige Pflegestelle weiter geben.

 

Bitte bringen Sie den Greifvogel umgehend zu einem vogelkundigen Tierarzt bzw. in eine greifvogelkundige Pflegestelle! Die Wildtierhilfe Bamberg empfiehlt die Unterbringung bei unserer Wildvogel-Kollegin Sabine Witt von der Wildvogel-Auffangstation Stadtsteinach. Sie ist im Besitz eines Sachkundenachweises für Wildtiere, insbesondere auch für Greifvögel und ihre Station ist nach § 11 Tierschutzgesetz genehmigt und veterinäramts-kontrolliert.  Ihr Tierarzt kennt sich ebenfalls mit Greifvögeln aus und kann verletzten oder kranken Greifvögeln sofort fachmännisch helfen.

Wir können die Unterbringung bei Frau Witt nur empfehlen, auch wenn es bis dort eine gewisse Fahrtstrecke ist. Es lohnt sich für das Tier!

Frau Witt pflegt tierschutzgerecht und betreibt keine Anbindehaltung. Bei Frau Witt wird für die Tiere alles Menschenmögliche getan, nötigenfalls auch Operationen durch ihren greifvogelkundigen Tierarzt.

Für Greifvögel in der Forchheimer Gegend empfehlen wir die Tierarztpraxis Dr. Gottwald in der Paul-Keith-Straße. Seine Telefonnummer finden Sie im Telefonbuch. Er besitzt den Sachkundenachweis für Greife und hat auch einen Falknerkurs absolviert. Er darf somit Greife auch selbst pflegen.

Wir müssen aus gegebenem Anlass allerdings darauf hinweisen, dass wir selbst keine Langstreckentransporte übernehmen können, da wir alles selbst privat finanzieren müssen und mit der Pflege unserer Tiere vor Ort beschäftigt sind, so dass wir auch aus Zeitgründen keine weiten Fahrten für Sie tätigen können.

Finder sind daher gefragt, Eigeninitiative zu zeigen und ihre Findlinge selbst zu Frau Witt oder zu Dr. Gotttwald zu transportieren.

 

Waldkauz-Dame Bubu bei unserer Kollegin Sabine Witt in der Wildvogel-Auffangstation in Stadtsteinach, mit freundlicher

Genehmigung von Sabine Witt, Copyright: Sabine Witt - Anmerkung: Bubu war im Winter 2012/2013 nach einem Verkehrsunfall mit einem Auto vorübergehender Pflegegast bei Sabine Witt und konnte in ihrem waldnahen Garten wieder frei gelassen werden, wo ein Waldkauz-Männchen bereits auf sie wartete. Wir hoffen, sie bekommen viele niedliche kleine Waldkauz-Babys.

 

Transport eines Sperber-Weibchens in eine Auffangstation für Greifvögel - die Maus ist eine sogenannte Frostmaus - im toten Zustand eingefroren als artgerechtes Futtermittel für Greife - armes Mäuschen, doch der Sperber will auch leben...